Wenn jeder Bissen zur Bedrohung wird…
Viele Patientinnen und Patienten kommen nach Monaten oder Jahren der erfolglosen Suche zu mir. Bauchschmerzen nach dem Essen. Blähungen. Plötzlich Hautausschlag, Kopfschmerzen, eine Müdigkeit, die nicht weicht. Und niemand findet eine Ursache.
Andere haben bereits Listen geführt, Lebensmittel weggelassen, Diäten ausprobiert. Manche haben kostspielige Tests gemacht, die mehr Verwirrung als Klarheit gebracht haben.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind ein vielschichtiges Feld. In Deutschland sind rund 30 Prozent aller Erwachsenen davon überzeugt, bestimmte Lebensmittel nicht zu vertragen.¹ Die offizielle Allergiestatistik erfasst nur einen Bruchteil dieser Beschwerden, weil sie sich auf klassische Soforttyp-Allergien beschränkt.² Was darüber hinausgeht, fällt häufig durch das Raster der Standarddiagnostik.
Die Diagnostik und Beratung dieser Patienten, denen durch den klassischen Allergietest nicht geholfen werden kann, ist seit 25 Jahren ein zentraler Schwerpunkt. Meine Aufgabe heißt: herausfinden, was die individuellen Beschwerden auslöst – und einen Weg zeigen, der über das Streichen ganzer Lebensmittelgruppen hinausgeht.
Warum die Begriffe wichtig sind
Allergie, Intoleranz und Sensibilisierung werden im Alltag oft vermischt. Genau diese Unklarheit führt zu falschen Tests und überflüssigen Diäten. Vier Mechanismen lassen sich unterscheiden – jeder mit eigener Diagnostik und Therapie.
Echte Allergien (Typ I, IgE-vermittelt) verlaufen schnell. Innerhalb von Minuten nach dem Verzehr kommt es zu Hautreaktionen, Juckreiz, Schwellungen, im Extremfall zu Atemnot. Das Immunsystem reagiert mit IgE-Antikörpern. Im Erwachsenenalter ist diese Form seltener.² Häufig zeigt sie sich als pollenassoziierte Kreuzreaktion, dazu gleich mehr.
Verzögerte Reaktionen (Typ III, IgG-vermittelt) zeigen sich erst Stunden oder Tage später. Typisch sind chronische Beschwerden – Gelenkschmerzen, Hautprobleme, Migräne, Reizdarmsymptome, Konzentrationsstörungen. Hier bildet das Immunsystem IgG-Antikörper, die das Komplementsystem aktivieren und eine niedriggradige Entzündung im Gewebe unterhalten.³ Diese Form ist in Deutschland umstritten – warum die übliche Kritik zu kurz greift, erkläre ich im Diagnostik-Abschnitt.
Echte Intoleranzen haben mit dem Immunsystem nichts zu tun. Hier fehlt ein Enzym oder ein Transportmechanismus. Beispiele sind Laktoseintoleranz (Mangel des Enzyms Laktase), Fruktosemalabsorption (gestörter Transport von Fruchtzucker) oder Histaminintoleranz (verminderter Abbau von Histamin durch das Enzym Diaminoxidase, kurz DAO oder Histaminmethyltransferase, kurz HNMT).⁴
Pseudoallergien verlaufen wie Allergien, ohne klassische Beteiligung des Immunsystems. Auslöser sind häufig biogene Amine, Salicylate oder bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe.
Ein IgE-Test bringt keine Information darüber, ob jemand Laktose oder Histamin nicht verträgt. Ein H2-Atemtest sagt nichts über echte Allergien. Welche Diagnostik passt, hängt davon ab, welcher Mechanismus vermutet wird.
Die häufigsten Formen im Überblick
Die folgenden Krankheitsbilder treten in der Praxis am häufigsten auf. Jedes ist ein Thema für sich – an dieser Stelle reicht ein Überblick, der die wichtigsten Unterschiede zeigt.
Echte Nahrungsmittelallergien und das orale Allergiesyndrom (OAS)
Klassische Allergien betreffen am häufigsten Erdnüsse, Baumnüsse, Schalentiere, Fisch, Hühnerei und bei Kindern Kuhmilch.² Im Erwachsenenalter steht eine andere Form im Vordergrund: das orale Allergiesyndrom (OAS). Dabei reagiert der Körper auf Eiweißstrukturen in Obst, Gemüse oder Nüssen, weil sie denen von Pollen ähneln, gegen die schon eine Allergie besteht.
Wer auf Birkenpollen allergisch ist, reagiert häufig auch auf Apfel, Birne, Haselnuss, Karotte oder Sellerie. Typische Beschwerden sind Kribbeln und Schwellungen im Mund- und Rachenraum kurz nach dem Verzehr. Das OAS verläuft meist harmlos. Heftigere Reaktionen sind möglich und müssen von einer systemischen Allergie abgegrenzt werden.
Histaminintoleranz und Histaminabbaustörungen
Histamin ist ein körpereigener Botenstoff. Er steuert Entzündungsreaktionen, die Magensäureproduktion und Nervensignale.⁴ In Lebensmitteln kommt er unterschiedlich konzentriert vor – besonders viel in lange gereiftem Käse, Rotwein, Sauerkraut, geräuchertem Fisch oder Tomaten.
Funktioniert das Enzym Diaminoxidase (DAO) im Darm nicht ausreichend, kann Histamin nach dem Essen Beschwerden auslösen. Typisch sind Kopfschmerzen, Hautrötungen, Herzrasen, verstopfte Nase, Verdauungsprobleme. Histaminabbaustörungen werden häufig übersehen, weil keine einzelne Mahlzeit klar als Auslöser auffällt. Reaktionen entstehen oft erst, wenn mehrere histaminreiche Lebensmittel gemeinsam in einer Mahlzeit verzehrt werden.
Mastzellaktivierungs-Syndrom (MCAS)
Beim MCAS reagieren Mastzellen – bestimmte Immunzellen – übermäßig auf eine Vielzahl von Reizen: Lebensmittel, Stress, Temperaturwechsel, Düfte.⁵ Sie schütten dabei Histamin aus, dazu eine Reihe weiterer entzündungsfördernder Stoffe.
Die Beschwerden sind vielgestaltig und betreffen oft mehrere Organsysteme gleichzeitig: Haut, Magen-Darm-Trakt, Atemwege, Kreislauf, Nervensystem. Das MCAS ist ein vergleichsweise neues Krankheitsbild.⁵ Wenn Beschwerden keinem einfachen Schema folgen, lohnt es sich, daran zu denken.
Laktoseintoleranz
Laktose ist der Zucker in der Milch. Im Dünndarm wird er durch das Enzym Laktase zerlegt. Bei vielen Erwachsenen lässt diese Enzymaktivität im Lauf des Lebens nach – evolutionsgeschichtlich der Normalfall, da Erwachsene ursprünglich keine Milch tranken.⁶
Nicht abgebaute Laktose gelangt in den Dickdarm, wird dort von Bakterien vergoren und führt zu Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen. Die Diagnostik ist hier vergleichsweise einfach: Ein H2-Atemtest (Wasserstoffgas-Atemtest) zeigt zuverlässig an, ob Laktose unverdaut in den Dickdarm gelangt.⁶
Fruktosemalabsorption
Bei der Fruktosemalabsorption funktioniert der Transport von Fruchtzucker durch die Darmwand nicht korrekt.⁷ Auch hier gelangt der Zucker in den Dickdarm und löst dort die typischen Beschwerden aus. Betroffen sind häufig Lebensmittel, die als gesund gelten – Obst, Honig, manche Gemüsesorten – sowie viele “zuckerfreie” Süßungsmittel mit Sorbit. Die Diagnostik erfolgt ebenfalls über einen H2-Atemtest.
Die Fruktosemalabsorption ist abzugrenzen von der seltenen, angeborenen hereditären Fruktoseintoleranz. Diese ist eine schwerwiegende Stoffwechselerkrankung, die bereits im Säuglingsalter auffällt und ein anderes Krankheitsbild darstellt.
Sorbit- und Polyolintoleranz
Sorbit und andere Zuckeralkohole (Polyole) werden in vielen “zuckerfreien” Produkten eingesetzt. Sie kommen auch natürlich in Steinobst und Trockenfrüchten vor. Werden sie schlecht resorbiert, lösen sie ähnliche Beschwerden aus wie eine Fruktosemalabsorption – häufig sogar in Kombination, weil Sorbit zusätzlich die Fruktoseaufnahme behindert.⁷
Glutensensitivität, Weizenallergie und Zöliakie
Diese drei Krankheitsbilder werden im Alltag und sogar in mancher Praxis verwechselt.⁸ Sie betreffen unterschiedliche Mechanismen und erfordern unterschiedliche Therapie.
Die Zöliakie ist eine immunvermittelte Erkrankung. Gluten löst eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus und führt zur Rückbildung der Darmzotten. Die Diagnose erfolgt über Bluttests (Transglutaminase-Antikörper), im Verdachtsfall durch eine Dünndarmbiopsie. Die Therapie ist eine strikte, lebenslange glutenfreie Ernährung.
Die Weizenallergie ist eine klassische IgE-vermittelte Allergie auf Weizenproteine, mit Sofortreaktionen.
Die Glutensensitivität (Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität) ist ein eigenständiges Krankheitsbild.⁸ Nach Glutenverzehr treten Beschwerden auf, ohne dass sich die typischen Marker einer Zöliakie oder einer Weizenallergie nachweisen lassen. Die Diagnose erfolgt durch sorgfältigen Ausschluss und kontrollierte Eliminations-Provokations-Diät.
Die unterschätzte Rolle der Darmbarriere
Bei vielen Beschwerden, die wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit aussehen, beginnt das Problem in der Darmschleimhaut. Wenn die Barriere durchlässig wird, kommt es zu Antikörperbildung gegen viele Lebensmittel gleichzeitig. Eine Eliminationsdiät hilft dann nur kurzzeitig, weil die Ursache unbehandelt bleibt.
Die Darmwand ist eine hochspezialisierte Barriere. Sie nimmt Nährstoffe auf und verhindert gleichzeitig, dass größere Eiweißbruchstücke unkontrolliert ins Blut gelangen. Zwischen den Zellen der Darmschleimhaut sitzen Tight Junctions – wörtlich “enge Verbindungen” –, die genau diese Abdichtung gewährleisten.⁹
Ist die Darmbarriere gestört, in der Fachliteratur als Leaky Gut oder Tight Junction Disorder beschrieben, öffnen sich diese Verbindungen vermehrt.⁹ Größere Eiweißbruchstücke aus der Nahrung passieren die Darmwand, treffen im Blut auf das Immunsystem und werden dort als fremd erkannt. Das Immunsystem bildet IgG-Antikörper gegen viele Lebensmittel, die regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.¹⁰ Die Antikörper bilden mit den Eiweißbruchstücken Immunkomplexe, aktivieren das Komplementsystem und unterhalten eine niedriggradige, chronische Entzündung.³
Hier liegt ein häufiges Missverständnis. Wenn die Darmbarriere durchlässig ist, zeigt ein IgG-Test in der Regel viele Treffer auf einmal. Patientinnen und Patienten eliminieren dann zehn oder fünfzehn Lebensmittel, ohne dass sich die Beschwerden dauerhaft bessern. Die eigentliche Ursache, die Permeabilitätsstörung, bleibt unbehandelt. Nach einigen Wochen tauchen Reaktionen auf andere Lebensmittel auf.
In meiner Praxis prüfe ich deshalb in der Regel zuerst die Darmbarriere. Marker wie Zonulin, Alpha-1-Antitrypsin im Stuhl oder das sekretorische IgA geben Hinweise auf den Zustand der Schleimhaut.⁹ Erst wenn dieses Bild klar ist, ergibt eine gezielte Antikörperdiagnostik wirklich Sinn.
Diagnostik: Was sinnvoll ist und worauf zu achten ist
Welcher Test im Einzelfall passt, hängt vom vermuteten Mechanismus ab. Die folgenden Verfahren decken die wichtigsten Bereiche ab.
Klassische Allergiediagnostik (IgE)
Bei Verdacht auf eine Soforttyp-Allergie kommt der spezifische IgE-Bluttest oder der Hauttest (Prick-Test) zum Einsatz. Diese Verfahren sind wissenschaftlich gut etabliert.² Für die häufigeren verzögerten Reaktionen sind sie jedoch nicht aussagekräftig.
Atemtests bei Zuckerunverträglichkeiten
Für Laktose, Fruktose und Sorbit ist der Wasserstoff-Atemtest (H2-Atemtest) ein verlässliches Verfahren.⁶ ⁷ Nach Einnahme einer definierten Menge des jeweiligen Zuckers wird über mehrere Stunden gemessen, wie viel Wasserstoff in der Atemluft auftaucht. Ein Anstieg zeigt an, dass der Zucker im Dickdarm bakteriell vergoren wird.
Eliminations- und Provokationsdiät
Bei Histaminintoleranz und Glutensensitivität ist die strukturierte Eliminations- und Provokationsdiät das aussagekräftigste Verfahren.⁴ ⁸ Über einen festgelegten Zeitraum werden verdächtige Lebensmittel konsequent gemieden, anschließend kontrolliert wieder eingeführt. Begleitet wird das Vorgehen durch ein Beschwerdetagebuch. Diese Methode erfordert Disziplin, liefert aber oft die klarsten Ergebnisse.
IgG-Diagnostik – differenziert betrachtet
Die Bestimmung von IgG-Antikörpern gegen Nahrungsmittel ist in Deutschland umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) lehnt diese Diagnostik ab.¹¹ Sie beruft sich dabei auf ein Positionspapier der europäischen Fachgesellschaft EAACI von 2008.¹² Bei genauer Betrachtung zeigt sich: Das EAACI-Papier bezog sich ausschließlich auf eine bestimmte Unterklasse, IgG4. Diese Unterklasse aktiviert das Komplementsystem nicht und löst aus biochemischer Sicht keine Entzündung aus.¹³
Die DGAKI hat diese Aussage 2009 jedoch auf das gesamte IgG ausgeweitet.¹¹ Die übrigen Unterklassen (IgG1, IgG2, IgG3) – zusammen 96 Prozent aller IgG-Antikörper – aktivieren das Komplementsystem sehr wohl und können entzündliche Prozesse vermitteln.¹³ Mehrere klinische Studien zu Reizdarm, Migräne und Morbus Crohn deuten darauf hin, dass IgG-basierte Eliminationsdiäten Beschwerden verbessern können.¹⁴ ¹⁵ ¹⁶
IgG-Tests sind kein Allheilmittel. Die pauschale Anwendung großer Test-Panels ohne Vorbefund kann mehr schaden als helfen. Sinnvoll werden sie, wenn die Darmbarriere geprüft, andere Ursachen ausgeschlossen und die Ergebnisse vor dem Hintergrund der individuellen Ernährung interpretiert werden. So angewendet kann ein IgG-Test ein wertvoller Baustein der Diagnostik sein.
Diagnostik der Darmbarriere
Zur Einschätzung der Schleimhautfunktion stehen verschiedene Stuhl- und Bluttests zur Verfügung: Zonulin, I‑FABP, Alpha-1-Antitrypsin, sekretorisches IgA, Calprotectin sowie der Status der Darmflora.⁹ Welche Untersuchungen im Einzelfall passen, hängt von den Beschwerden und dem bisherigen Befundverlauf ab.
So läuft die Beratung in meiner Praxis ab
Ein Beratungsgespräch beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bevor der erste Test in den Blick kommt. Welche Beschwerden treten auf? In welchem zeitlichen Zusammenhang zum Essen? Welche Lebensmittel werden besonders häufig konsumiert? Gibt es Vorerkrankungen, Medikamente, frühere Antibiotikatherapien, frühere Infekte? Wie steht es um Schlaf, Stress, Bewegung? Bringen Sie Ihre bisherigen Befunde gerne mit – so können wir gemeinsam einordnen, was bereits abgeklärt ist.
Daraus ergibt sich, welche Diagnostik sinnvoll ist und in welcher Reihenfolge. Häufig steht die Beurteilung der Darmschleimhaut am Anfang. Erst wenn dieses Bild klar ist, folgt die gezielte Antikörper- oder Atemtest-Diagnostik.
Die therapeutische Konsequenz besteht selten in einem reinen Verzicht. Sinnvoller ist meist ein zeitlich begrenztes Aussetzen der belastenden Lebensmittel. Gleichzeitig werden sie durch hochwertige Alternativen ersetzt, damit die Ernährung ausgewogen bleibt. Parallel arbeiten wir an der Ursache: an der Darmschleimhaut, an der Mikrobiota, an Mikronährstoffen, gegebenenfalls an Stress- und Schlafregulation. Ziel ist die Wiederherstellung einer Toleranz, die langfristig wieder mehr Vielfalt erlaubt.
Beratungstermine in Hamburg und online
Die Beratung biete ich in meiner Praxis in Hamburg-St. Georg an, ebenso als Videosprechstunde im gesamten deutschsprachigen Raum. Ein Beratungsgespräch dauert in der Regel 60 Minuten. Auf Wunsch erhalten Sie eine schriftliche Zusammenfassung mit Empfehlungen, die Sie auch an mitbehandelnde Ärztinnen und Ärzte weitergeben können.
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Beratungsterin vereinbaren unter: 040 2093381
Allergien zeigen sich typischerweise innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach dem Verzehr. Sie betreffen häufig Haut, Atemwege oder Kreislauf. Unverträglichkeiten verlaufen oft schleichender, mit einer zeitlichen Verzögerung von Stunden bis Tagen. Sie betreffen meist den Verdauungstrakt oder zeigen sich als unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Hautveränderungen. Eine eindeutige Zuordnung gelingt selten allein über die Symptome – dafür sind eine sorgfältige Anamnese und je nach Verdacht eine gezielte Diagnostik nötig.
Das Spektrum ist breit. Häufig sind Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit. Es können auch Beschwerden auftreten, die auf den ersten Blick nicht mit der Ernährung in Verbindung gebracht werden: Migräne, chronische Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Hautausschläge, Gelenkbeschwerden, Stimmungsschwankungen. Gerade diese Vielgestaltigkeit macht die Einordnung schwierig.
Die Antwort hängt davon ab, in welchem Zusammenhang sie eingesetzt werden. Großflächige IgG-Panels ohne weitere Vorabklärung führen häufig zu vielen Treffern. Diese können Folge einer gestörten Darmbarriere sein und nicht Ursache der Beschwerden. Eine Eliminationsdiät bringt dann selten dauerhafte Besserung. Sinnvoll wird ein IgG-Test, wenn vorher die Schleimhautfunktion geprüft wurde und die Auswahl der getesteten Lebensmittel an die individuelle Ernährung angepasst ist. So angewendet kann er ein wertvoller Baustein einer umfassenden Diagnostik sein.
Mit Leaky Gut ist eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut gemeint. Die feinen Verbindungen zwischen den Zellen der Darmwand öffnen sich vermehrt. Eiweißbruchstücke gelangen ins Blut und werden vom Immunsystem als fremd erkannt. Die Folge sind Antikörperbildung gegen viele Lebensmittel und eine niedriggradige chronische Entzündung. Die Beschwerden sind oft diffus und betreffen verschiedene Organsysteme. Die Wiederherstellung der Schleimhautfunktion ist deshalb ein zentraler Therapieansatz.
In der Regel nicht. Ein sinnvoller Therapieansatz sieht eine zeitlich begrenzte Karenz vor – wenige Wochen bis einige Monate – kombiniert mit einer Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Anschließend lassen sich die Lebensmittel meist schrittweise wieder einführen. Ziel ist eine breite Toleranz, die langfristig wieder mehr Vielfalt im Alltag ermöglicht.
Das hat in der Regel weniger mit dem Lebensmittel zu tun als mit Veränderungen im Körper. Häufige Auslöser sind anhaltender Stress, Antibiotikatherapien, Magen-Darm-Infekte, hormonelle Umstellungen oder eine schleichende Schädigung der Darmschleimhaut.⁹ Wenn sich die Schutzfunktion des Darms verändert, kann der Körper auf Nahrungsbestandteile reagieren, die zuvor unproblematisch waren.
Bei der Zöliakie liegt eine immunvermittelte Erkrankung vor, die zu einer messbaren Schädigung der Dünndarmschleimhaut führt. Sie wird über bestimmte Antikörper im Blut und gegebenenfalls eine Dünndarmbiopsie diagnostiziert. Sie erfordert lebenslang eine strikt glutenfreie Ernährung. Die Glutensensitivität ist ein eigenständiges Krankheitsbild ohne diese Schleimhautschäden und ohne die typischen Antikörper.⁸ Die Beschwerden ähneln einander, der Mechanismus und die therapeutischen Konsequenzen unterscheiden sich. Eine sichere Abgrenzung ist wichtig, bevor eine glutenfreie Ernährung beginnt.
Eine Histaminintoleranz lässt sich nicht über einen einzelnen Bluttest sicher feststellen. Werte wie die DAO-Aktivität geben nur Hinweise und können trotz Beschwerden im Normbereich liegen.⁴ Die belastbarste Diagnostik ist eine strukturierte histaminarme Ernährung über zwei bis vier Wochen mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung histaminreicher Lebensmittel, begleitet durch ein Beschwerdetagebuch. Ergänzende Laboruntersuchungen runden das Bild ab.
Im ersten Termin nehme ich mir 60 Minuten Zeit. In dieser Zeit erfasse ich Beschwerden, Vorerkrankungen, bisherige Befunde und Ernährung im Detail. Auf dieser Basis entsteht ein individueller Vorschlag für die weitere Diagnostik und erste therapeutische Schritte. Sie erhalten eine schriftliche Zusammenfassung der Empfehlungen. Folgegespräche dienen der Auswertung von Befunden, der Anpassung des Vorgehens und der Begleitung im weiteren Verlauf.
Häufig gestellte Fragen
Es gibt Fragen, die mir zum Thema Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten häufiger gestellt werden. Hier finden Sie die Antworten auf diese Fragen. Wenn Ihre Frage hier nicht beantwortet wird, scheuen Sie sich nicht und schicken uns Ihre Frage über das Kontaktformular oder per E‑Mail.
Kai Stefan Haschke | Heilpraktiker in Hamburg
Kai Stefan Haschke ist Heilpraktiker in Hamburg St. Georg. Zugelassen seit 1999, seit 2000 in eigener Praxis – zunächst in Stuttgart, seit 2010 in Hamburg, seit 2018 am Holzdamm gegenüber dem Hotel Atlantic. Behandlungsschwerpunkte: Autoimmunerkrankungen (besonders Hashimoto-Thyreoiditis), chronische Beschwerden, Ernährungs- und Stoffwechseltherapie, individuelle Krebsberatung.
Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) und im Arbeitskreis für Klinische Toxikologie der DGUHT.
→ Termin vereinbaren: 040 20933810
Kai Stefan Haschke | Heilpraktiker in Hamburg
Kai Stefan Haschke ist Heilpraktiker in Hamburg St. Georg. Zugelassen seit 1999, seit 2000 in eigener Praxis – zunächst in Stuttgart, seit 2010 in Hamburg, seit 2018 am Holzdamm gegenüber dem Hotel Atlantic. Behandlungsschwerpunkte: Autoimmunerkrankungen (besonders Hashimoto-Thyreoiditis), chronische Beschwerden, Ernährungs- und Stoffwechseltherapie, individuelle Krebsberatung.
Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) und im Arbeitskreis für Klinische Toxikologie der DGUHT.
→ Termin vereinbaren: 040 20933810
Quellen
¹ Schwenninger Krankenkasse / vivida bkk. Bevölkerungsrepräsentative Umfrage: Jeder dritte Bundesbürger leidet an Nahrungsmittelunverträglichkeiten. 2015.
² Worm M et al. Update Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien – S2k-Leitlinie der DGAKI. Allergologie 2021; 44(7):488–541.
³ Vidarsson G, Dekkers G, Rispens T. IgG subclasses and allotypes: from structure to effector functions. Frontiers in Immunology 2014; 5:520.
⁴ Maintz L, Novak N. Histamine and histamine intolerance. American Journal of Clinical Nutrition 2007; 85(5):1185–1196.
⁵ Akin C, Valent P, Metcalfe DD. Mast cell activation syndrome: Proposed diagnostic criteria. Journal of Allergy and Clinical Immunology 2010; 126(6):1099–1104.
⁶ Misselwitz B, Butter M, Verbeke K, Fox MR. Update on lactose malabsorption and intolerance: pathogenesis, diagnosis and clinical management. Gut 2019; 68(11):2080–2091.
⁷ Fedewa A, Rao SS. Dietary fructose intolerance, fructan intolerance and FODMAPs. Current Gastroenterology Reports 2014; 16(1):370.
⁸ Catassi C, Elli L, Bonaz B et al. Diagnosis of Non-Celiac Gluten Sensitivity (NCGS): The Salerno Experts’ Criteria. Nutrients 2015; 7(6):4966–4977.
⁹ Niewiem M, Grzybowska-Chlebowczyk U. Intestinal Barrier Permeability in Allergic Diseases. Nutrients 2022; 14(9):1893.
¹⁰ Lacerda JF, Lagos AC, Carolino E et al. Functional Food Components, Intestinal Permeability and Inflammatory Markers in Patients with Inflammatory Bowel Disease. Nutrients 2021; 13(2):642.
¹¹ Kleine-Tebbe J, Ballmer-Weber B, Beyer K et al. Keine Empfehlung für IgG- und IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel. Leitlinie der DGAKI, des ÄDA, der GPA, der ÖGAI und der SGAI. Allergo Journal 2009; 18:267–273.
¹² Stapel SO, Asero R, Ballmer-Weber BK et al. Testing for IgG4 against foods is not recommended as a diagnostic tool: EAACI Task Force Report. Allergy 2008; 63(7):793–796.
¹³ Aalberse RC, Stapel SO, Schuurman J, Rispens T. Immunoglobulin G4: an odd antibody. Clinical and Experimental Allergy 2009; 39(4):469–477.
¹⁴ Atkinson W, Sheldon TA, Shaath N, Whorwell PJ. Food elimination based on IgG antibodies in irritable bowel syndrome: a randomised controlled trial. Gut 2004; 53(10):1459–1464.
¹⁵ Alpay K, Ertaş M, Orhan EK et al. Diet restriction in migraine, based on IgG against foods: A clinical double-blind, randomised, cross-over trial. Cephalalgia 2010; 30(7):829–837.
¹⁶ Bentz S, Hausmann M, Piberger H et al. Clinical Relevance of IgG Antibodies against Food Antigens in Crohn’s Disease – A Double-Blind Cross-Over Diet Intervention Study. Digestion 2010; 81(4):252–264.