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Frau sitzt erschöpft auf einem Sofa – Stress kann Histaminbeschwerden verstärken

Hist­amin und Psy­che: War­um Stress Beschwer­den ver­stär­ken kann – ohne dass sie ein­ge­bil­det sind

 

Sie haben Ihre Ernäh­rung im Griff. Die Lis­te im Kopf, der Ein­kauf umge­stellt, die Res­te am sel­ben Abend ein­ge­fro­ren. Und dann kommt eine Woche mit einer Prü­fung, einer Kün­di­gung, einer Pfle­ge­si­tua­ti­on in der Fami­lie – und plötz­lich ist alles wie­der da. Kopf­schmer­zen, Haut­rö­tung, Bauch­schmer­zen, Herz­klop­fen. Am Tel­ler hat sich nichts geän­dert. Trotz­dem reagiert der Körper.

Die­se Beob­ach­tung machen sehr vie­le Men­schen mit Hist­amin­be­schwer­den. Sie ist kei­ne Ein­bil­dung, und sie hat auch nichts damit zu tun, dass jemand »zu sen­si­bel« wäre. Es gibt kör­per­li­che Wege, über die Belas­tung auf die Hist­amin­frei­set­zung wir­ken kann. Eini­ge davon sind gut unter­sucht. Ande­re wer­den in Rat­ge­bern deut­lich stär­ker behaup­tet, als die Daten es hergeben.

Stress ist eine kör­per­li­che Reak­ti­on, kein Gefühl

Wenn der Kör­per eine Situa­ti­on als Belas­tung ein­ord­net, lau­fen zwei Sys­te­me an. Das vege­ta­ti­ve Ner­ven­sys­tem schal­tet auf Leis­tung um: Der Sym­pa­thi­kus, der akti­vie­ren­de Teil, über­nimmt, sein Gegen­spie­ler für Erho­lung und Ver­dau­ung, der Para­sym­pa­thi­kus, tritt zurück. Par­al­lel star­tet die Stres­sach­se zwi­schen Gehirn und Nebennieren.

Am Anfang die­ser Ach­se steht CRH, das Cor­ti­co­tro­pin-Releasing-Hor­mon. Es wird im Hypo­tha­la­mus gebil­det, ver­an­lasst die Hirn­an­hangs­drü­se zur Aus­schüt­tung von ACTH, und die­ses wie­der­um bringt die Neben­nie­ren­rin­de dazu, Cor­ti­sol frei­zu­set­zen. Das ist die bekann­te Kette.

Für das Hist­amin zählt eine zwei­te Eigen­schaft von CRH: Es wirkt auch außer­halb des Gehirns, direkt im Gewebe.

Mast­zel­len sit­zen an der Schnitt­stel­le zwi­schen Ner­ven und Immunsystem

Mast­zel­len sind Immun­zel­len und der wich­tigs­te Spei­cher­ort für Hist­amin im Kör­per. Sie schwim­men kaum im Blut, son­dern sit­zen im Gewe­be – in Haut und Schleim­haut, in Bron­chi­en und Magen-Darm-Trakt, in Gebär­mut­ter und Eier­stö­cken, im Gehirn. Und sie sit­zen dort auf­fäl­lig nah an Blut­ge­fä­ßen und an Nervenendigungen.

Wer­den sie akti­viert, geben sie ein gan­zes Bün­del von Boten­stof­fen ab. Hist­amin ist der bekann­tes­te davon, aber längst nicht der ein­zi­ge. Dazu gehö­ren Tryp­ta­se, ein Enzym, das Eiwei­ße spal­tet und benach­bar­te Ner­ven emp­find­li­cher machen kann; Hepa­rin, das die Blut­ge­rin­nung hemmt; Pro­sta­glan­di­ne, Gewebs­hor­mo­ne, die Ent­zün­dung, Schmerz und die Wei­te der Blut­ge­fä­ße mit­steu­ern; und Zyto­ki­ne, die Ver­stän­di­gungs­si­gna­le, mit denen Immun­zel­len sich unter­ein­an­der abstimmen.

Die­ses Bün­del erklärt, war­um eine Mast­zell­re­ak­ti­on sel­ten nur ein ein­zel­nes Sym­ptom macht.

Die Zel­len tra­gen auf ihrer Ober­flä­che Andock­stel­len, die Rezep­to­ren, unter ande­rem für CRH und für Ner­ven­bo­ten­stof­fe wie Sub­stanz P – also für Signa­le, die bei Belas­tung aus Ner­ven und Stres­sach­se kom­men.1

Das ist der am bes­ten begrün­de­te Zusam­men­hang zwi­schen Stress und Hist­amin: Belas­tung erreicht die Mast­zel­le über Boten­stof­fe, für die sie einen pas­sen­den Emp­fän­ger besitzt. Bei ent­spre­chend emp­find­li­chen Men­schen kann das die Frei­set­zung von Hist­amin und ande­ren Media­to­ren beeinflussen.

Was dar­aus aus­drück­lich nicht folgt: dass Cor­ti­sol Hist­amin frei­setzt oder dass Stress eine Hist­amin­in­to­le­ranz ver­ur­sacht. Bei­de Sät­ze kur­sie­ren, und bei­de sind für das, was gemes­sen wur­de, zu grob.

Was eine Rede vor Publi­kum im Dünn­darm auslöst

Es gibt eine kon­trol­lier­te Unter­su­chung am Men­schen, die die­sen Weg ziem­lich genau nach­zeich­net. Eine bel­gi­sche Arbeits­grup­pe um Tim Vanuyt­sel ließ 23 gesun­de Frei­wil­li­ge eine Rede vor Publi­kum hal­ten – ein eta­blier­ter psy­chi­scher Stres­sor im Labor. Anschlie­ßend wur­de die Durch­läs­sig­keit der Dünn­darm­schleim­haut gemes­sen.2

Die Arbeit hat drei Ergeb­nis­se. Bei den Teil­neh­men­den mit einem deut­li­chen Cor­ti­so­lan­stieg nahm die gemes­se­ne Durch­läs­sig­keit zu. Gab man den Pro­ban­den statt­des­sen CRH, stieg die Durch­läs­sig­keit eben­falls. Und eine Vor­be­hand­lung mit Dina­tri­um­cro­mog­li­cat, einem Mast­zell­sta­bi­li­sa­tor, ver­hin­der­te die­sen Effekt – das ist der Beleg dafür, dass Mast­zel­len an dem Vor­gang betei­ligt sind.

Frau sitzt erschöpft auf einem Sofa – Stress kann Histaminbeschwerden verstärken

Damit ist die Ket­te Stress → CRH → Mast­zel­len → Darm­bar­rie­re beim Men­schen expe­ri­men­tell gestützt.

Was die­se Stu­die nicht zeigt, gehört dazu. Gemes­sen wur­de die Durch­läs­sig­keit der Darm­schleim­haut, nicht eine Hist­amin­in­to­le­ranz. Es wur­den kei­ne Enzym­ak­ti­vi­tä­ten bestimmt, kei­ne Reak­ti­on auf hist­amin­rei­che Lebens­mit­tel geprüft und kei­ne Betrof­fe­nen unter­sucht, son­dern Gesun­de. Eine erhöh­te Durch­läs­sig­keit ist kein Nach­weis einer Hist­amin­in­to­le­ranz. Die­sel­be Arbeits­grup­pe hat den CRH-Weg 2025 erneut unter­sucht und dabei Unter­schie­de zwi­schen den Mess­ver­fah­ren gefun­den – die For­schung an die­sem Mecha­nis­mus ist nicht abge­schlos­sen.3

Was eine durch­läs­si­ge­re Darm­wand für die Hist­amin­last bedeutet

War­um die­se Durch­läs­sig­keit beim The­ma Hist­amin über­haupt zählt, wird an der Arbeits­wei­se des Dünn­darms deut­lich. Sei­ne Schleim­haut ent­schei­det, was aus dem Darm­in­ne­ren ins Blut über­tritt. Und sie ist zugleich der Ort, an dem der Kör­per sein wich­tigs­tes Abbau-Enzym für Hist­amin her­stellt: die Dia­min­oxi­da­se, kurz DAO. Die Schleim­haut­zel­len geben die DAO ins Darm­in­ne­re ab, wo sie Hist­amin aus der Nah­rung zer­legt, bevor es über­haupt in den Kör­per gelangt.

Wird die Bar­rie­re durch­läs­si­ger, kann mehr Hist­amin aus dem Darm ins Blut über­tre­ten, als der Abbau vor Ort bewäl­tigt. Eine gereiz­te oder geschä­dig­te Schleim­haut stellt zusätz­lich weni­ger DAO her. Bei­des zusam­men kann die Hist­amin­men­ge im Kör­per erhö­hen, ohne dass sich am Essen etwas geän­dert hat. Und wer ohne­hin wenig Abbau­ka­pa­zi­tät hat, erreicht die­sen Punkt frü­her als andere.

Als Mecha­nis­mus ist die­ser Weg beschrie­ben und plau­si­bel. Dass er die Beschwer­den nach einer belas­ten­den Woche in jedem Ein­zel­fall erklärt, ist damit nicht gesagt.

War­um sich Rei­ze danach stär­ker anfühlen

Die Boten­stof­fe der Mast­zel­le wir­ken auf die Ner­ven in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft. Hist­amin bin­det dort unter ande­rem an H1-Rezep­to­ren, Tryp­ta­se an soge­nann­te Pro­tease-akti­vier­te Rezep­to­ren. Für den Darm ist die­ser Weg gut belegt: Bei Reiz­darm-Pati­en­tin­nen und ‑Pati­en­ten macht eine über H1 ver­mit­tel­te Sen­si­bi­li­sie­rung des Schmerz­ka­nals TRPV1 die Darm­ner­ven emp­find­li­cher, und der H1-Blo­cker Ebas­tin ver­rin­ger­te in einer kon­trol­lier­ten Stu­die die Beschwer­den.4 Eine Arbeit in Natu­re zeig­te 2021 zusätz­lich, dass eine loka­le Immun­re­ak­ti­on auf Nah­rungs­be­stand­tei­le über Mast­zel­len und Hist­amin Bauch­schmer­zen aus­lö­sen kann, ohne dass eine klas­si­sche All­er­gie vor­liegt.5

Prak­tisch heißt das: Der­sel­be Reiz – eine Mahl­zeit, eine Deh­nung der Darm­wand, ein Tem­pe­ra­tur­wech­sel – kommt im Ner­ven­sys­tem lau­ter an. Und weil ver­stärk­te Beschwer­den ihrer­seits Sor­ge und Anspan­nung erzeu­gen, kann der­sel­be Vor­gang von vorn beginnen.

Das ist eine kör­per­li­che Rück­kopp­lung. Sie erklärt, war­um Beschwer­den in belas­ten­den Wochen auf­schau­keln kön­nen, und sie ist kein Hin­weis dar­auf, dass die Sym­pto­me psy­chisch wären.

Bremst Stress den Histaminabbau?

Hier lohnt eine Unter­schei­dung, die in vie­len Rat­ge­bern ver­schwimmt. Der Hist­amin­spie­gel im Kör­per ergibt sich aus zwei Grö­ßen: wie viel Hist­amin frei­ge­setzt oder auf­ge­nom­men wird, und wie schnell es wie­der abge­baut wird.

Für den Abbau sind vor allem zwei Enzy­me zustän­dig. Die DAO arbei­tet außer­halb der Zel­len und über­nimmt vor allem das Hist­amin, das über den Darm ankommt. Die Hist­amin-N-Methyl­trans­fer­a­se, kurz HNMT, baut Hist­amin inner­halb der Zel­len ab, unter ande­rem in Leber und Gehirn.

Histaminabbau und Histaminfreisetzung – was ist wirklich belegt

Über Stress und Frei­set­zung wis­sen wir also eini­ges. Über Stress und Abbau wis­sen wir wenig.

In Hist­amin-Rat­ge­bern liest man regel­mä­ßig, chro­ni­scher Stress sen­ke die DAO-Akti­vi­tät. Der Satz steht dort meist ohne jede Ein­schrän­kung, wäh­rend die­sel­ben Tex­te die Frei­set­zungs­sei­te vor­sich­tig mit einem »kann« ver­se­hen. Für die direk­te Aus­sa­ge »psy­chi­scher Stress senkt beim Men­schen die DAO« ließ sich kei­ne belast­ba­re Human­stu­die fin­den. Das­sel­be gilt für die Behaup­tung, Stress hem­me die HNMT.

Bio­lo­gisch denk­bar ist ein indi­rek­ter Weg. Anhal­ten­de Belas­tung ver­än­dert die Darm­schleim­haut über Signa­le, die zwi­schen Ner­ven­zel­len und Immun­zel­len hin- und her­lau­fen – Fach­leu­te spre­chen von neu­ro­im­mu­nen Signa­len, weil Ner­ven- und Abwehr­sys­tem hier die­sel­be Spra­che benut­zen. Eine so ver­än­der­te Schleim­haut bie­tet dem Enzym, das sie selbst her­stellt, schlech­te­re Arbeits­be­din­gun­gen. Das ist eine begrün­de­te Annah­me und kein gesi­cher­ter Zusammenhang.

Für die Pra­xis kommt eine zwei­te Ein­schrän­kung dazu: Ein DAO-Wert aus dem Blut allein bestä­tigt eine Hist­ami­n­un­ver­träg­lich­keit nicht und schließt sie nicht aus – die deut­sche Leit­li­nie ist an die­ser Stel­le deut­lich.6 Und ein nied­ri­ger DAO-Wert ist häu­fig Fol­ge einer ent­zün­de­ten Darm­schleim­haut, nicht deren Ursa­che. Er ist damit eher ein Anlass, weiterzusuchen.

War­um Stress nicht bei allen Men­schen gleich wirkt

In der Vanuyt­sel-Stu­die stieg die Durch­läs­sig­keit beson­ders bei den Teil­neh­men­den mit einer aus­ge­präg­ten kör­per­li­chen Stress­re­ak­ti­on. Wer kaum mit Cor­ti­sol reagier­te, zeig­te den Effekt kaum. Eine Über­sichts­ar­beit von 2023, die die Human­stu­di­en zu Stress und Darm­bar­rie­re zusam­men­trägt, kommt zu einem ähn­lich zurück­hal­ten­den Bild: Der Zusam­men­hang ist vor­han­den, die Stu­di­en sind klein, und die Ergeb­nis­se fal­len unein­heit­lich aus.7

Wie stark Belas­tung im Ein­zel­fall wirkt, hängt unter ande­rem ab von Art und Dau­er des Stres­sors, von einer bestehen­den all­er­gi­schen oder ent­zünd­li­chen Erkran­kung, von Schlaf, Infek­ten, Schmer­zen, hor­mo­nel­ler Lage, Medi­ka­men­ten und davon, wie emp­find­lich das Ner­ven­sys­tem bereits ein­ge­stellt ist.

Der Schlaf ver­dient dabei eine eige­ne Erwäh­nung. Hist­amin hat im Gehirn eine zwei­te Auf­ga­be: Es gehört zu den Boten­stof­fen, die wach hal­ten und den Schlaf-Wach-Rhyth­mus mit­re­geln. Ein hoher nächt­li­cher Hist­amin­spie­gel und tie­fer Schlaf ver­tra­gen sich des­halb schlecht. In mei­ner Pra­xis sehe ich sehr häu­fig, dass Men­schen mit Hist­amin­be­schwer­den ohne­hin schlecht schla­fen – und wenig Schlaf und hohe Anspan­nung ver­stär­ken sich gegen­sei­tig. Bei­des lässt sich unab­hän­gig vom Tel­ler angehen.

Zwei ver­brei­te­te Kurz­for­meln hal­ten die­ser Viel­falt nicht stand. »Mehr Cor­ti­sol bedeu­tet mehr Hist­amin« bil­det die Regu­la­ti­on der Stres­sach­se nicht ab. Und die popu­lä­re Erklä­rung über eine soge­nann­te Neben­nie­ren­schwä­che, nach der chro­ni­scher Stress regel­haft zu Cor­ti­sol­man­gel und dadurch zu Hist­amin­über­schuss führt, ist kein gesi­cher­ter medi­zi­ni­scher Befund.

Kurz­fris­ti­ge Anspan­nung ist außer­dem etwas ande­res als eine Belas­tung über Mona­te. Eine aku­te Stress­re­ak­ti­on ist eine nor­ma­le Anpas­sung des Kör­pers. Erst die Dau­er ver­än­dert die Regulation.

Was das für den Umgang mit dem eige­nen Essen bedeutet

Wenn Beschwer­den in belas­ten­den Pha­sen zuneh­men, ist die ers­te Bewe­gung meist, die Ernäh­rung noch stren­ger zu machen. Nach­voll­zieh­bar – der Tel­ler ist das, was sich sofort steu­ern lässt.

Die­ser Weg hat zwei bekann­te Gren­zen. Er ver­engt die Lebens­mit­tel­aus­wahl mit der Zeit so weit, dass die Ver­sor­gung lei­det. Und die Anspan­nung vor jedem Bis­sen kann Beschwer­den ihrer­seits ver­stär­ken, ein gut beschrie­be­ner Noce­bo-Effekt. Auch das ist kei­ne Ein­bil­dung: Erwar­tungs­angst wirkt mess­bar auf den Körper.

Die Belas­tungs­sei­te ver­dient des­halb einen eige­nen Platz in der Beob­ach­tung, so kon­kret wie das Essen. Ein ein­fa­ches Pro­to­koll über zwei bis drei Wochen, in dem Situa­ti­on, eige­ne Reak­ti­on und Kör­per­sym­pto­me getrennt notiert wer­den, macht Mus­ter sicht­bar, die im Rück­blick nie­mand aus dem Gedächt­nis rekon­stru­iert. Für die Beru­hi­gung des Ner­ven­sys­tems gibt es nied­rig­schwel­li­ge Ver­fah­ren, deren Wir­kung auf Stress­pa­ra­me­ter unter­sucht ist – pro­gres­si­ve Mus­kel­ent­span­nung, ver­lang­sam­te Atmung mit beton­ter Aus­at­mung, regel­mä­ßi­ge mode­ra­te Bewe­gung. Dass sie den Hist­amin­spie­gel sen­ken, ist damit nicht gezeigt; dass sie die Stress­re­ak­ti­on dämp­fen, schon.

Wann eine wei­te­re Abklä­rung sinn­voll ist

Nicht alles, was auf Hist­amin hin­deu­tet, ist eine Hist­ami­n­un­ver­träg­lich­keit. Bevor Beschwer­den unter die­sem Begriff zusam­men­ge­fasst wer­den, gehö­ren eini­ge Mög­lich­kei­ten geprüft: eine ech­te Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie, Erkran­kun­gen der Mast­zel­len wie Masto­zy­to­se oder ein Mast­zel­l­ak­ti­vie­rungs­syn­drom, Schild­drü­sen­er­kran­kun­gen, chro­ni­sche Darm­ent­zün­dun­gen, Medi­ka­men­te, die den Hist­amin­ab­bau hem­men, und hor­mo­nel­le Ursa­chen.8

Bit­te las­sen Sie zügig ärzt­lich abklä­ren, wenn Atem­not, Kreis­lauf­pro­ble­me, Schwel­lun­gen im Gesicht oder Rachen, unge­woll­ter Gewichts­ver­lust oder anhal­ten­des Fie­ber auftreten.

Wor­auf es ankommt

Belas­tung kann über die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Ner­ven­sys­tem, Stress­hor­mo­nen und Mast­zel­len kör­per­li­che Pro­zes­se ansto­ßen. Dabei kön­nen Hist­amin und wei­te­re Media­to­ren frei wer­den, die Ner­ven­emp­find­lich­keit, Darm­funk­ti­on und Darm­bar­rie­re ver­än­dern. Bei man­chen Men­schen ver­stärkt das die Beschwer­den deut­lich. Eine direk­te Hem­mung von DAO oder HNMT durch psy­chi­schen Stress ist bis­lang nicht nachgewiesen.

Ihre Beschwer­den sind real. Stress kann ein Ver­stär­ker sein und ist sel­ten die ein­zi­ge Erklä­rung. Und Frei­set­zung und Abbau von Hist­amin sind zwei ver­schie­de­ne Vor­gän­ge, die eine unter­schied­li­che Behand­lung nach sich ziehen.

Wel­che Beschwer­de­mus­ter sich unter­schei­den las­sen und war­um zwei Men­schen mit dem­sel­ben Labor­wert ver­schie­den reagie­ren, lesen Sie im Arti­kel Die vier Mög­lich­kei­ten, auf Hist­amin zu reagie­ren. Wie ich Hist­amin­be­schwer­den in mei­ner Pra­xis abklä­re, fin­den Sie auf der Sei­te zu Nah­rungs­mit­tel­un­ver­träg­lich­kei­ten.

Foto: iStock Yuli­ya Taba

FAQ – Häu­fig gestell­te Fragen

War­um wer­den mei­ne Hist­amin­be­schwer­den bei Stress stär­ker, obwohl ich an mei­ner Ernäh­rung nichts geän­dert habe? 

Belas­tung wirkt über kör­per­li­che Signal­we­ge auf Mast­zel­len, die wich­tigs­ten Hist­amin­spei­cher des Kör­pers. Sie tra­gen Andock­stel­len für Stress­hor­mo­ne und Ner­ven­bo­ten­stof­fe. Wer­den sie akti­viert, geben sie Hist­amin und wei­te­re Boten­stof­fe ab. Zusätz­lich kann Stress die Durch­läs­sig­keit der Darm­bar­rie­re ver­än­dern. Bei­de Wege lau­fen unab­hän­gig davon, was auf dem Tel­ler liegt.

Nein. Der Weg von der Belas­tung zur Beschwer­de führt über mess­ba­re kör­per­li­che Vor­gän­ge: Stress­hor­mo­ne, Ner­ven­bo­ten­stof­fe, Mast­zel­len und deren Media­to­ren. Dass Beschwer­den ihrer­seits Anspan­nung aus­lö­sen und sich dadurch ver­stär­ken kön­nen, ist eine kör­per­li­che Rück­kopp­lung und kein Hin­weis auf eine ein­ge­bil­de­te Erkrankung.

Für die direk­te Aus­sa­ge, psy­chi­scher Stress sen­ke beim Men­schen die Akti­vi­tät der Dia­min­oxi­da­se, gibt es bis­lang kei­ne belast­ba­re Human­stu­die – auch wenn die­ser Satz in Rat­ge­bern häu­fig steht. Denk­bar ist ein indi­rek­ter Weg über eine ver­än­der­te Darm­schleim­haut, die weni­ger DAO her­stellt. Das bleibt eine Annahme.

Dafür reicht die Daten­la­ge nicht. Belegt ist, dass Belas­tung die Hist­amin­frei­set­zung über Mast­zel­len beein­flus­sen und die Darm­bar­rie­re ver­än­dern kann. Dar­aus folgt nicht, dass Stress eine Unver­träg­lich­keit gegen­über Hist­amin aus der Nah­rung aus­löst. Stress ist eher ein Ver­stär­ker unter meh­re­ren Faktoren.

Frei­set­zung heißt: Hist­amin gelangt aus Mast­zel­len oder aus der Nah­rung in den Kör­per. Abbau heißt: Die Enzy­me DAO und HNMT zer­le­gen es wie­der. Beschwer­den ent­ste­hen, wenn bei­des nicht mehr im Gleich­ge­wicht steht. Für die Behand­lung ist die Unter­schei­dung wich­tig, weil bei­de Sei­ten unter­schied­li­che Ansatz­punk­te haben.

Nein. Die deut­sche Leit­li­nie hält fest, dass ein Serum-DAO-Wert allein eine Unver­träg­lich­keit weder bestä­tigt noch aus­schließt. Ein nied­ri­ger Wert ist häu­fig Fol­ge einer ent­zün­de­ten Darm­schleim­haut. Er ist ein Anlass, wei­ter­zu­su­chen, und kein End­punkt der Diagnostik.

Ver­fah­ren wie pro­gres­si­ve Mus­kel­ent­span­nung, ver­lang­sam­te Atmung mit beton­ter Aus­at­mung und regel­mä­ßi­ge mode­ra­te Bewe­gung dämp­fen nach­weis­lich die kör­per­li­che Stress­re­ak­ti­on. Dass sie den Hist­amin­spie­gel sen­ken, ist nicht gezeigt. Als Bau­stein neben Dia­gnos­tik und Ernäh­rung sind sie sinn­voll, als allei­ni­ge Maß­nah­me nicht ausreichend.

Bei Atem­not, Kreis­lauf­pro­ble­men, Schwel­lun­gen im Gesicht oder Rachen, unge­woll­tem Gewichts­ver­lust oder anhal­ten­dem Fie­ber gehört die Abklä­rung sofort in ärzt­li­che Hän­de. Eben­so, wenn Beschwer­den zuneh­men oder eine ech­te All­er­gie, eine Mast­zel­l­er­kran­kung oder eine Darm­er­kran­kung im Raum steht.

Ja. Die Pra­xis liegt am Holz­damm 22 in Ham­burg-St. Georg, gegen­über dem Hotel Atlan­tic und 5 Minu­ten vom Haupt­bahn­hof. Das Erst­ge­spräch dau­ert 60 Minu­ten und fin­det in der Pra­xis statt, weil eine Blut­ab­nah­me per Video nicht mög­lich ist und das Gesetz Fern­dia­gno­sen ver­bie­tet. Fol­ge­ter­mi­ne sind auch online möglich.

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  3. Schol J, Huang IH, Bal­si­ger L, et al. The effect of cor­ti­co­tro­pin-release hor­mo­ne on duo­de­n­al per­mea­bi­li­ty and immu­ne acti­va­ti­on in healt­hy vol­un­teers in a dou­ble-blind pla­ce­bo-con­trol­led stu­dy. Am J Phy­si­ol Gas­tro­in­test Liver Phy­si­ol. 2025;328(5):G457–G464. doi:10.1152/ajpgi.00130.2024
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Artikel von
Kai Stefan Haschke
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